Alex Blin (Alex Gerhard Blin), geb. 1916 in Lodz, gest. 1993 in Tübingen,
absolvierte sein Musikstudium (Klavierpädagogik und anschließend Konzertreife)
am Staatl. Konservatorium und Hochschule für Musik in Posen. Theorieunterricht
bei namhaften polnischen Komponisten und Musikwissenschaftlern (Szeligowski,
Wiechowicz, Dr. Gieburkowski u.a.). 1938 Diplom der Meisterklasse für Klavier
(bei Prof. Bohdan Zaleski, Odessa). Noch während seiner Studienzeit hatte der
junge Pianist die ersten Rundfunksendungen am Posener Rundfunk, wo er dann bis
Kriegsausbruch als Konzertpianist wirkte. Daneben als Organist und Chorleiter an
der deutschen Evang.-luth. Kirche in Posen tätig.
Im Jahr 1940 heiratete er Christina Ciechanowska (geb. 1922, gest. 1993), die ebenfalls als Diplom-Musiklehrerin tätig war. Aus der Ehe gingen 2 Söhne (Nikolaus Alex, 1946; Alex Heinz, 1952) hervor.
In den Kriegsjahren u.a. im Fronttheater eingesetzt, nach
Kriegsende 1946-47 politische Haft in Polen.
Ab 1948 bis zur Aussiedlung tätig als Klavierlehrer an
Musikschulen in Lodz, Hirschberg (Jelenia Gora) und zuletzt in
Waldenburg/Niederschlesien (Walbrzych), wo er 1954 zum Direktor der Staatl.
Musikschule berufen wurde. Gleichzeitig als Pianist in zahlreichen Konzerten,
Rundfunkaufnahmen und Klavierabenden künstlerisch aktiv.
Ende 1958 Aussiedlung in die BRD, Aufenthalt in
verschiedenen Lagern für Vertriebene, in dieser Zeit bereits die ersten
Rundfunkaufnahmen in Stuttgart. 1961 bis 1971 als Klavierlehrer am Pfälzischen
Musikkonservatorium in Kaiserslautern verpflichtet, daneben
musikwissenschaftliche Arbeiten (insbesondere auf dem Gebiet der Folklore und
Musikkulturen der lateinamerikanischen und slawischen Völker), sowie einige
Jahre als Musikkritiker für die Presse im In- und Ausland und als freier
Mitarbeiter für die Mannheimer VHS (mit ca. 200 Vorträgen über Musik) tätig.
1972-1977 Lehrauftrag an der Staatl. Musikhochschule Mannheim-Heidelberg, ab
1971 Lehrer an der Städt. Musikschule Mannheim.
1962 übernahm A. Blin den Vorsitz des Verbandskreises des
Deutschen Tonkünstler- und Musiklehrerverbandes und aktivierte die Mannheimer
Sektion in pädagogischen, sozialen und künstlerischen Bereichen, indem er
mehrere Jugend-Musikwettbewerbe, Kammermusikveranstaltungen mit Mannheimer
Künstlern, Podiumsdiskussionen mit nahmaften internationalen Komponisten (W
Lutosławski, C. Santoro, S. Adler, W. Ludewig, K. Meyer und K. Moszumańska-Nazar),
zahlreiche Schülervorspiele und Schülerkonzerte (auch in Krankenhäusern und
Altersheimen) durchführte sowie Kompositionsaufträge für neue Konzert- und
Unterrichtsliteratur anregte.
Als Mitbegründer der Gesellschaft für Neue Musik in
Mannheim war A. Blin einige Jahre Vorstandsmitglied dieser Gesellschaft. Er ist
auch Mitbegründer und war Mitglied der Gruppe MVM (musica viva mannheim), die
sich seit 1973 in exemplarischen Kammermusik-Aufführungen für die Avantgarde
einsetzt.
Um 1970 startete der Pianist in Mannheim seine ersten,
zyklisch angelegten Klavierabende mit Einführungen: „Klaviermusik des 20.
Jakhrhunderts“ – zeitgenössische Musik aus Polen, Ungarn, Spanien, USA,
Brasilien, Argentinien, Mexiko, Frankreich usw. – mit mehreren Uraufführungen
(Werke von W. Dębski, R. Maciejewski, L. De Pablo, L. Werle, B. Nilsson, C.
Santoro, K. Moszumańska- Nazar, A. Ginastera u.a.) und deutschen
Erstaufführungen; einige dieser werke sind dem Interpreten gewidmet.
In zahlreichen Rundfunksendungen, Klavierabenden im In-und
Ausland, sowie in seinen Schallplattenaufnahmen hat Alex Blin auch viele
unbekannte oder wenig bekannte Kompositionen zeitgenössischer Komponisten
vorgestellt.